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Leipzig 2004

Leipziger Volkszeitung, 25./26. September 2004

Duo tritt im Stadtgeschichtsmuseum in „Mauerbildern“ in ungewöhnlichen Dialog

Passanten können Kunst von Geza und Chérif überpinseln

Moderne Kunst ist in einem historischen Museum eher selten zu sehen. Mit der Sonderschau „Mauerbilder“ macht das Stadtgeschichtliche Museum jedoch eine Ausnahme. 15 Jahre nach der friedlichen Revolution vom Herbst 1989 thematisiert die Ausstellung des Künstlerduos Geza und Chérif, welche Botschaften, Sehnsüchte, Ängste auf Mauern ausgedrückt werden.

Die Schau „Mauerbilder – Esprit du Mur“ ist sicherlich gewöhnungsbedürftig. Im Neubau des Stadtgeschichtlichen Museums am Böttchergäßchen hängen 40 großformatige Werke des deutsch-französischen Duos Geza und Chérif. Sie haben auf Holz und Leinwand zunächst französische Plakate der 80er Jahre aufgeklebt und diese danach durch Malen, Sprayen und Schreiben bearbeiten. Dabei inspirierten sich die beiden Künstler, die in einer alten Fabrikhalle im Süden Frankreichs leben und arbeiten, gegenseitig. „Dadurch ist eine sehr vielschichtige Bildwelt entstanden. Es wird sehr spannend, sie zu dechiffrieren“, sagt Volker Rodekamp, der Museumschef.

Geza Jäger, die Deutsche im Künstlerduo, nennt den selbstkreierten Malstil „Ästhetik des Hinterhofes“. „Mauern sind ein Untergrund, auf den Menschen Botschaften verbreiten – ganz ohne Tabus“, erklärt sie. Dabei reagieren die beiden ebenso auf die Überflutung der Werbung, greifen aber auch urbanes Straßenleben, Gewalt, Krieg, Drogen oder andere Probleme der Gesellschaft auf. Das Museum will mit der von der Potsdamer Ausstellungsagentur kunsttick.com unterstützten Schau den Dialog über die friedliche Revolution vom Herbst 1989 fortsetzen, in deren Ergebnis die Mauer fiel. Geza Jäger, die in Düsseldorf geboren ist und 2003 nach Frankreich zog: „Für uns erfüllt sich ein Traum, unsere Bilder in Leipzig ausstellen zu dürfen.“

Jedes Bild stellt ein Fragment dar, ist mit dem Zeichen KRM und einem Hund versehen. Das symbolisiert das Mysterium eines Straßengeistes, hieß es. Aneinander gereiht ergibt des gesamte Werk „Les Rues“ (die Straßen) eine 100 Meter lange Mauer, die Zeichen von Gewalt und Sehnsüchten ist. Wer möchte, kann einzelne Bilder auch erwerben, wie es ein Pariser Psychoanalytiker getan hat. „man muss nicht erst zehn Bücher lesen, um unsere Kunst zu verstehen“, wirbt Geza Jäger. Die in Leipzig gezeigten Bilder seien erstmals ausgestellt und sollen später als Wanderschau auch in anderen Städten Europas gezeigt werden.

Wie Chérif Zerdoumi und Geza Jäger arbeiten, wollen sie den Leipzigern vom 1. bis 3. Oktober bei einer Kunstaktion direkt vorm Museum demonstrieren. Das Künstlerduo beklebt dann eine etwa 20 Meter lange „Mauer“ und wird sie anschließend übermalen, übersprühen und beschreiben. Das Besondere: Passanten können selbst aktiv werden und spontan ihre eigenen Botschaften transportieren, falls ihnen die des Duos nichts sagen oder sie diese einfach überpinseln wollen. Natürlich nur bei der Aktion vor dem Museum. Dadurch entsteht Kunst im Dialog. „Das wird spannend“, glaubt Volker Rodekamp. „Wir hoffen, dass wir mit dieser Aktion mit unserem Museum weiter in den öffentlichen Raum treten. Mathias Orbeck

Vielschichtige Bilderwelt : Auf Holz und Leinwand sind einzelne Kunstwerke entstanden, die wie eine Mauer aneinander gereiht werden können.
Geza und Chérif heißt das Künstlerduo, dass ab Dienstag im Stadtgeschichtlichen Museum eine Kollektion ihrer „Mauerbilder“ vorstellt.

 

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